Zwei künstliche Hüftgelenke
to go
Patient veröffentlicht Buch über persönliche Hüftgeschichte

Klaus Baumann auf der Alpe-Adria-Radtour vier Monate nach der Hüft-OP.
„Beidseitige Hüftgelenksarthrose vierten Grades.“ Diese Diagnose braucht niemand. Vor allem dann nicht, wenn man gerade 50 geworden ist. Das Thema „Hüftgelenke“ hatte mich insgesamt vier Jahre lang intensiv beschäftigt und in der Anfangsphase körperlich und mental fast niedergerungen. So konnte ich den Beinschwung über meinen Fahrradsattel nur noch mit einem innerlichen Schmerzschrei bewältigen. Auch das Schneiden der Fußnägel war aufgrund der leidigen Unbeweglichkeit schon bald der blanke Horror. Nach langem Zaudern und Zögern nahm mir der akute Schmerz jedoch die Entscheidung ab: Ich musste dem Hüft-Elend ein Ende setzen und bestellte mir zwei künstliche Hüftgelenke to go. Die beiden Hüft-Bauteile namens Totalendoprothese (TEP) wurden mir 2019 in EINER Operation in meine geschrotteten Hüften eingebaut und nach zwei Wochen konnte ich sie aus der Klinik mitnehmen. Nicht direkt nach Hause aber zumindest in die Reha. „To go“ bedeutet aber auch, dass ich dank dieser beiden künstlichen Hüftgelenke heute endlich wieder vernünftig gehen kann. Aber nicht nur gehen: Auch radfahren und vor allem wieder schmerzfrei einschlafen.
Künstliche Hüftgelenke sind keine Zahnkronen
Das Buch „Titan für den Titan“ habe ich mit Leidenschaft und viel Emotion geschrieben. Mit dem inneren Antrieb, meine Erlebnisse und Erfahrungen zum Thema „künstliches Hüftgelenk“ nicht für mich zu behalten, sondern an andere Hüftpatientinnen und -patienten weiterzugeben. Ich möchte Hüftleidenden, die sich einer Sackgasse befinden sowie handlungs- und entscheidungsunfähig sind, unterstützen. Aber auch Mut zusprechen und mögliche Wege aufzeigen, wieder ein normales Leben zu führen und sich nicht den Hüftschmerzen zu ergeben. Ich bin nämlich den kompletten, holprigen Weg gegangen: Von der Diagnose „Hüftgelenksarthrose“, über den „Ruheschmerz“ bis zu einer Phase der Orientierungslosigkeit und Verzweiflung. Als ich endlich wieder entscheidungsfähig war, folgte die aufreibende Suche nach der passenden Hüftklinik und richtigem Hüftarzt. Zwei künstliche Hüftgelenke sind schließlich keine Zahnkronen und sollten nicht beim ersten Fauxpas ihren Geist aufgeben. Vor allem, wenn man erst vor wenigen Monaten den 50sten Geburtstag gefeiert hat und sich gerne sportlich ertüchtigt.
Zwei künstliche Hüftgelenke in EINER Operation
Erst im dritten Klinik-Anlauf war ich fündig geworden und entschied mich für ein TEP-Doppelpack aus Titan und Keramik. Immerhin eine Operation gespart. Was mich jedoch stetig verunsicherte war das diffuse Meinungsbild zu simultan-bilateralen Operationen im WWW. Die Einschätzungen der sog. Hüftexperten, ob eine doppelseitige Hüft-Operation sinnvoll sei oder nicht, gehen weit auseinander. Es hatte sich ein regelrechter Meinungskrieg zwischen Befürwortern und Gegnern dieser Methodik entfacht. In der Regel werden die souverän vorgetragenen Aussagen der Mediziner von Studienergebnissen begleitet, zu welchen es wiederum entsprechende Gegenstudien gibt. Für leidende Hüftpatientinnen und -patienten alles andere als erfreulich. Ganz bewusst möchte ich mit diesem Buch die neutrale Patientenrolle einnehmen und die Hüft-Leidensgenossinnen und -genossen nicht mit weiteren einseitigen Meinungen nerven.
Nicht jede Arhrose ist eine Lüge
Zwischenzeitlich keimte sogar Hoffnung in mir auf, ich könnte mein Hüftarthrose auch ohne Operation hinter mir lassen. Dafür sorgte das Buch „Die Arthrose-Lüge“, welches marketingtechnisch wie ein sensationeller Erkenntnisgewinn in unser Land getragen wurde. Eine entscheidende These lautete, dass „künstliche Hüftgelenke meistens unnötig sind“. Völlig verzweifelt und vom Schmerz betäubt, erreichte auch mich diese Werbebotschaft, die ich zunächst nicht weiter hinterfragte. Schließlich müsste ich nur meine muskulär-faszialen Überspannungen mit Faszienrollen und -kugeln lösen und schon sei der Arthrose-Schmerz wegmassiert. Also versuchte ich, mein Bindegewebe zu rollen und zu kugeln, aber der Schmerz, er blieb. Und je länger der Schmerz blieb, umso mehr begann ich der goldenen Regel der Operateure zu vertrauen: „Wir operieren nicht das Röntgenbild, sondern den Patienten.“ Diese Regel besagt auf ganz banale Weise: Wenn eine Arthrose da ist und extremes körperliches Leid mit sich bringt, kann man sich mal auch mal operieren lassen. Denn nicht jede Arthrose ist eine Lüge.
Mit Titan in den Hüftgelenken zum Titan?
Schließlich wurde das doppelte Titan in meine Hüften eingebaut. Aber kann man mit Titan im Körper tatsächlich zum Titan werden? Vorweggenommen sei, dass auch der Weg nach der doppelten Hüft-Operation kein leichter war: Nach zwei Wochen Klinik folgte die stationäre Reha, in der meine Hüft-Totalendoprothesen vollständig in meinen Körper integriert werden sollten. Nach diesen drei Wochen wurde ich schließlich in mein Büro wiedereingegliedert. Und parallel ereignete sich der Alltag inkl. Nachsorgeprogramm. Gekrönt wurde der neue Alltag mit einer Durchquerung der Alpen mit meinem Trekkingrad: nur vier Monate nach der Hüft-Operation. Bis jetzt ist also alles glatt gelaufen und meine Hüft-TEPs feierten im Februar ihren zweiten Geburtstag. Meinen künstlichen Hüftgelenken geht es gut und auch mir geht es wieder richtig gut. Ich hatte nicht erwartet, dass ich nach diesem Eingriff so schnell wieder auf die Beine und auf mein Fahrrad komme. Allerdings kann man bei rund 150.000 künstlichen Hüftgelenken, die Jahr für Jahr in Deutschland eingepflanzt werden, durchaus von „Routineeingriff“ sprechen, auch wenn ich mich für die beidseitige Variante entschieden hatte. Seit zwei Jahren kann ich schmerzfrei wieder Dinge tun, die ich mit dem Aufkommen meiner Hüftgelenksarthrose nicht mehr tun konnte: Radfahren, wandern, Fitness, Workouts und einfach nur entspannt einschlafen. In der stark eingeschränkten Corona-Zeit wäre es umso bitterer, wenn ich auch darauf hätte verzichten müssen.
Zehn Infoboxen zum künstlichen Hüftgelenk
Über das Buch verteilt finden sich zudem zehn Infoboxen, in denen ich beschreibe, was ich gerne vorher gewusst hätte oder auf dem Weg zu zwei künstlichen Hüftgelenken recherchiert und herausgefunden habe. Im Rahmen meiner Leidensgeschichte habe ich nämlich einige Fehler gemacht. Meine Suche nach der richtigen Hüfklinik und richtigem Hüftarzt war zum Beispiel unstrukturiert, weil mir zu Beginn noch Erfahrungswerte fehlten. Zudem hatte ich keine Ahnung, welche konkreten Fragen ich meinem potenziellen Operateur beim Erstgespräch stellen sollte. Mir war sogar vor schmerzbedingter Verwirrung durchgegangen, dass es für Gelenkersatz-Kliniken ein Gütesiegel gibt. Und auch meine Packlisten für das Krankenhaus und die Reha-Einrichtung waren lückenhaft. Daraus habe ich gelernt und möchte dieses Wissen in kompakter Form an alle Lesenden weitergeben.
Ab sofort als Taschenbuch und E-Book bei Amazon
Erhältlich ist „Titan für den Titan“ ab sofort im Eigenverlag bei Amazon als Taschenbuch und als E-Book. Warum Eigenverlag? Ich dachte auch über die Veröffentlichung in einem Verlag nach und führte dazu einige Telefonate mit Verlagen. Die wiederkehrende Empfehlung lautete, dass ich daraus in jedem Fall einen Ratgeber machen müsse. Das ließe sich besser verkaufen. Damit würde ich aber auch mich und meine ursprüngliche Intention verkaufen, eben kein weiteres Ratgeberbuch sein zu wollen. Somit verneinte ich und ging meinen eigenen Weg weiter. Ich wollte authentisch bleiben und die Lesenden an meinen persönlichen Hüft-Erlebnissen teilhaben lassen. Es geht in diesem Buch nicht in erster Linie um Ratschläge und Empfehlungen, sondern vor allem um Gefühle wie Schmerz, Leid und Verzweiflung. Aber auch um Hoffnung, Glücksgefühle, Befreiung und das Wiederaufstehen, wenn man am Boden liegt. Ich fühlte mich nicht in der Lage, aus so vielen Emotionen ein sachliches Ratgeberbuch zu formen, und wollte es auch nicht. Titan lässt sich nicht verbiegen!
Viel Spaß beim Lesen!
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